Zustandsforschung

Mit offenen Augen durch die Welt

Elternzeit – ein Resümee

Ich arbeite jetzt seit 4 Tagen wieder, nachdem ich zwei Monate in Elternzeit war. Zwei Monate klingt im ersten Moment zwar relativ lang, aber irgendwie waren die viel zu schnell vorbei. Und wenn ich mir so überlege, was ich in den 2 Monaten gemacht habe, außer natürlich viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen, dann komme ich nicht auf so furchtbar viel. Wir hatten öfters Freunde und Großeltern zu Besuch, wir waren 2 Wochen in Urlaub, sind dort und zu Hause viel gewandert und haben ansonsten einige ruhige Tage verbracht. Aber ich denke, das war auch gut so, denn ich wollte mich auch erholen und mir eben nicht alles gleich wieder so stressig gestalten. Wir haben vor der Elternzeit eine Liste angelegt mit Sachen, die wir schon länger mal vor hatten und die wir gerne während der Elternzeit gemacht hätten – letztendlich haben wir nur die Hälfte der Sachen gemacht. Dafür haben wir ausgiebig eine wichtige Sache gemacht, die gar nicht auf der Liste stand: Nichts!

Nichts heißt in diesem Fall auf dem Boden rumkrabbeln, Bauklötzchen spielen, Kinderlieder singen, im Park spazieren gehen, aber auch das Töchterchen zu wickeln, füttern, baden, trösten und Geschrei auszuhalten – und wenn das Baby schläft, Zeit zu zweit zu verbringen, um gemeinsam zu kochen, einen Film zu sehen oder die Playstation anzuwerfen.

Raubtierfütterung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Elternzeit eine wunderbare Sache ist, die sehr viele positive Aspekte hat. Zunächst hat es mir natürlich ermöglicht, wirklich viel Zeit mit Frau und Tochter zu verbringen. Aber auch um Abstand von der Arbeit zu gewinnen ist es sinnvoll mal eine Auszeit zu nehmen. Ich habe gerade in den ersten Wochen der Elternzeit gemerkt wie gestresst ich eigentlich war und wie wichtig es ist, sich auch mal Zeit für sich und die eigene Familie zu nehmen. Im Moment fühle ich mich nämlich prima erholt und entspannt.

Ich kann nur empfehlen sich die Zeit zu nehmen – es war für mich und meine Familie eine richtig schöne Erfahrung.

What it’s like to own an Apple product

What it's like to own an Apple product

[via the Oatmeal]

Versionsverwaltung mit Mercurial

Vor ein paar Monaten bin ich über das verteilte Source-Control-Management-Tool Mercurial gestoßen und habe angefangen mich damit zu beschäftigen. Mittlerweile setze ich es im privaten wie im professionellen Bereich ein und weil ich es so toll und praktisch finde, möchte es euch hier ein bisschen näher bringen.

Den Rest dieses Eintrages lesen »

Die Vor- und Nachteile von ClearCase

Was ich selbst von ClearCase halte, habe ich ja bereits deutlich gemacht – aber ich habe mal sehen wollen, was denn andere Entwickler so davon halten. Daher hatte ich vor ungefähr einem Jahr auf Stackoverflow die Frage nach den Vor- und Nachteilen von ClearCase gestellt.

Mittlerweile wurde der Artikel mehr als 3000 mal geklickt, hat 27 Antworten und eine intensive Diskussion produziert. Obwohl sich tatsächlich auch einige Leute gefunden haben, die ein paar Vorteile von ClearCase aufzeigen, ist doch die Mehrheit der Antworten damit beschäftigt Nachteile aufzuzeigen. Für mich kommt das natürlich nicht wirklich überraschend, aber es ist doch interessant zu sehen, dass es nicht nur daran liegt, dass ich keine Ahnung von ClearCase habe.

Was mich seit ich ClearCase kenne immer gewundert hat, ist dass es mindestens eine Person braucht, die sich um nichts anderes kümmert und andere Leute sehen das ebenfalls so:

The very fact that it’s complicated enough to require a full-time nanny is also worrying.

Auch immer noch ein Rätsel ist mir der Zweck der Dynamischen Views in ClearCase – seit wir wieder darauf umgestellt hatten, haben wir gemerkt, dass das Resultat davon, dass man sofort alle Änderungen sieht, ist dass man sofort alle Fehler hat, die jemand anders gemacht hat. Auch das war Thema der Diskussion:

Dynamic views are terrible unless you are in a very small team. And if that’s the case, why do you even have ClearCase? I have seen countless people’s views getting hosed because someone checked in files that broke the views of everyone else. You should always update and merge any conflicts on your own view. That way, the changes only affect you. With a dynamic view, you cannot merge down before pushing back up; you just commit and hope.

Dann habe ich noch einen nicht ganz ernst gemeinten Ratschlag bekommen, der zwar für uns leider nichts gebracht hat, weil ja ClearCase schon gesetzt war, den ich aber wegen seinem Unterhaltungswert hier wiedergeben möchte:

If you need an argument to convince people not to use ‘clearcase’, you can say that all the good developers hate it. I know, I wouldn’t work at any place who used clearcase as their source control. Heck, I would gladly suffer the pain of VSS to avoid clearcase.

Wer möchte kann sich einfach mal die ganze Diskussion auf Stackoverflow durchsehen – es sind echt ein paar interessante Kommentare dabei.

Als Schlusswort möchte ich noch diesen Kommentar zitieren, den ich so voll und ganz unterschreiben könnte:

If you’re considering integrating ClearCase into your development environment, I can offer only one piece of advice: don’t.

Daten(nicht)schutz bei Facebook

Aktuell wird viel über die komischen AGB-Änderungen und die verworrenen Privatsphäre-Einstellungen geredet, mit denen sich Facebook-User konfrontiert sehen.

Situation in Deutschland

In Deutschland hat sich unsere Verbraucherschutzministerin mit einem offenen Brief an Facebook gewandt, in dem sie auffordert, ein wenig mehr Respekt für die Privatsphäre der Benutzer zu zeigen. Wen das bei Facebook interessieren soll, wenn Frau Aigner ihre Mitgliedschaft beendet, ist natürlich eine ganz andere Geschichte ;-)

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rät in einer Pressemitteilung mit dem Titel Facebook missachtet Datenschutz sogar, “sich gemeinsam mit ihren Freunden einen neuen Anbieter zu suchen, wenn ihnen der Schutz ihrer persönlichen Daten wichtig ist“.

Facebook wurde kürzlich auch von sowohl Ökotest als auch der Stiftung Warentest überprüft. Ökotest kommt zu dem Ergebnis, dass Facebook in Sachen Datenschutz nur als “ungenügend” bewertet werden kann und die Datenschutzerklärung kaum lesbar sei – von der Stiftung Warentest werden Facebook gravierende Mängel beim Datenschutz bescheinigt. Zudem geht aus den Artikeln hervor, dass Facebook mit diesen Erklärungen gegen das deutsche Datenschutzgesetz verstößt – kritisiert wird dabei von Ökotest gleichzeitig auch, dass “der Staat zwar ein Gesetz erlassen hat, sich um seine Einhaltung aber nicht kümmert“.

Noch ein Hinweis am Rande: Das ist nicht etwa nur deshalb so, weil wir in Deutschland besonders empfindlich sind, auch US-Verbraucherschützer beschweren sich über Facebook und die Links hier zeigen, dass sich auch international eine kritische Haltung gegenüber Facebook aufbaut:

AGB und Datenschutzbestimmungen

Aber schauen wir uns doch die deutsche Version der AGB und Datenschutzbestimmungen selber mal genauer an.

Die für meine Begriffe spannendste Klausel in den AGB ist diese hier:

Für Inhalte, die unter die Rechte an geistigem Eigentum fallen, wie Fotos und Videos („IP-Inhalte“), erteilst du uns vorbehaltlich deiner Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen die folgende Erlaubnis: Du erteilst uns eine einfache, übertragbare, unterlizenzierbare, unentgeltliche, weltweite Lizenz für die Nutzung aller IP-Inhalte, die du auf oder im Zusammenhang mit Facebook postest („IP-Lizenz“). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löscht, außer deine Inhalte wurden mit anderen Nutzern geteilt und diese haben sie nicht gelöscht.

Übertragbar? Unterlizenzierbar??? Bitte? Wer würde denn im echten Leben sowas dummes tun? Das ist ja quasi ein Blankoscheck für die Weitergabe so ziemlich von allem was man auf Facebook postet.

Und dann kommt irgendwo noch diese Information:

Wir können diese Erklärung ändern und werden dich über die Facebook Site Governance-Seite darüber informieren und dir eine Möglichkeit zur Reaktion auf die entsprechende(n) Änderung(en) geben.

Seid ihr Fan der Facebook Site Governance-Seite? Nein? Dann bekommt ihr Änderungen an den AGB oder Datenschutzbestimmungen schlicht und ergreifend nicht wirklich mit.

Auch die Datenschutzrichtlinien sind eher zweifelhaft. Interessant ist hier zum Beispiel der Abschnitt über “Vorab genehmigte Webseiten und Anwendungen Dritter“:

Um dir die Möglichkeit zu geben, auch außerhalb von Facebook nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen zu können, sind wir gelegentlich gezwungen, vorab genehmigten Webseiten und Anwendungen von Drittparteien, die sich auf die Facebook-Plattform stützen, allgemeine Daten über dich zur Verfügung zu stellen, wenn du diese besuchst (wenn du noch bei Facebook angemeldet bist). Wenn einer deiner Freunde eine von Facebook vorab genehmigte Webseite oder Anwendung besucht, wird diese deine allgemeinen Informationen nutzen, damit du und dein Freund/deine Freundin auch auf dieser Webseite in Kontakt miteinander treten könnt (vorausgesetzt, du verfügst ebenfalls über ein Konto bei dieser Webseite).

Unten in diesem Abschnitt gibt es dann einen Link, der zur Liste der vorab genehmigten Webseiten führen soll, der allerdings ins Leere führt. Aktuell sind das wohl Microsofts Docs.com, Pandora und Yelp – Facebook kann aber nach belieben weitere hinzufügen, denn sie sind ja vorab genehmigt.

Dann geht es weiter unten weiter mit folgendem Hinweis:

Wir geben deine Informationen an Dritte weiter, wenn wir der Auffassung sind, dass du uns die Weitergabe gestattet hast, damit wir unsere Dienste im Bedarfsfall anbieten können oder wenn wir aus rechtlichen Gründen dazu gezwungen sind.

Was soll denn gemeint sein mit “wenn wir der Auffassung sind, dass du uns die Weitergabe gestattet hast”? Kann man das noch schwammiger formulieren? Weiter geht’s dann mit einer weiteren Aussage in dieser Richtung:

Gelegentlich tauschen wir gesammelte Informationen mit Dritten aus, damit wir unseren Dienst verbessern oder fördern können. Dabei gehen wir allerdings so vor, dass sich kein einzelner Nutzer erkennen oder mit einer bestimmten Handlung sowie Information verknüpfen lässt.

Und auch dann wenn man veröffentlichte Informationen oder gar seinen Account gelöscht hat, ist nicht alles was man auf Facebook gepostet hat einfach weg, denn

Selbst nach dem Entfernen von Informationen von deinem Profil oder Löschen deines Kontos werden Kopien dieser Informationen u. U. weiterhin an anderer Stelle angezeigt, sofern sie mit anderen ausgetauscht, gemäß deinen Privatsphäre-Einstellungen übermittelt oder von anderen Nutzern kopiert oder gespeichert wurden.

Facebook-Konto löschen?

Wenn man nun die Schnauze voll hat von Facebook und gerne sein Konto dort löschen möchte, ist man gleich mit dem nächsten Problem konfrontiert – das geht nämlich gar nicht so einfach. Unabhängig davon, ob ihr euren Account löschen wollt oder nicht, solltet ihr einfach so zum Spaß mal versuchen, den Button zu finden, mit dem ihr euren Account bei Facebook löschen könntet. Achtung: Ich meine “Löschen” und nicht “Deaktivieren” – beim Deaktivieren hält Facebook trotzdem eure kompletten Daten verfügbar. Ich meine wirklich “Löschen”.

Ich gehe mal davon aus, dass ihr ihn nicht gefunden habt, denn der ist richtig gut versteckt. Ich habe ihn mit Hilfe einer Anleitung aus dem Internet ausfindig gemacht und hier ist er, der Link, um den eigenen Facebook-Account zu löschen.

Ich selbst habe mein Facebook-Konto nicht gelöscht – trotz der ganzen Argumentation hier, die eigentlich dafür spricht der ganzen Nummer den Rücken zu kehren, ist Facebook ja auch eine nützliche Sache. Man sollte nur wissen, was man dort von sich veröffentlicht. Und das geht einerseits über den Content, den man dort selbst erzeugt und andererseits über die Privatspähre-Einstellungen. Da ja aber genau die total verworren sind (”Evil Interfaces“) und per Default eigentlich fast alles öffentlich ist, ist es ganz nützlich sich dabei von einem Tool wie dem auf ReclaimPrivacy.org helfen zu lassen, möglichst sichere Einstellungen zu finden. Dann hat man zwar immer noch die AGB abgenickt, aber ist zumindest so privat wie es halt eben auf Facebook geht.