Überstunden sind schlecht fürs Geschäft

von Benedikt

Nicht nur in der IT-Branche kommt es immer mal wieder vor, dass mehr Arbeit da ist als der normale Arbeitstag lang ist. Die übliche Reaktion der meisten Unternehmen ist es, zu versuchen diese zusätzlich benötigte Zeit durch Überstunden wieder reinzuholen.

Gleichzeitig ist das aber auch eine Reaktion, die sich früher oder später sowohl für den Mitarbeiter als auch für die Firma wieder rächt.

Die Konsequenzen für den Mitarbeiter selbst, der die Überstunden ableistet, muss ich glaube ich nicht wirklich detailliert betrachten – ich nehme mal an, das kennen die meisten selbst. Viel interessanter ist, warum es sich auch für die Firma selbst dann nicht lohnt, wenn die Überstunden “bereits mit dem Gehalt abgegolten” sind, wie es in Arbeitsverträgen oft formuliert wird.

Ich möchte hier zwei Aspekte aufgreifen, die ich für relevant halte.

Qualitätsverlust

Das hier nenne ich das “Eger’sche Überstundentheorem” ;-) :

Code, der nach 18 Uhr entsteht ist schlechter als Code, der vor 18 Uhr entsteht.

Meine eigene Erfahrung nicht nur an meiner Person, sondern auch was ich an meinen Kollegen beobachte, zeigt dass je später der Abend desto mehr lässt die Konzentration nach und wenn die Konzentration nachlässt werden die Arbeitsergebnisse meist nicht unbedingt besser. Ich wage auch zu behaupten, dass das nicht nur für Softwareentwickler gilt, sondern auch für andere Berufsfelder. Das gilt übrigens um so mehr, je länger die Periode, in der Überstunden geleistet werden andauert.

Schlechterer Code bedeutet mehr Fehler oder zweifelhafte Designentscheidungen, die es zwar kurzfristig erlauben, einen Termin zu halten, im späteren Verlauf des Projektes aber oft mehr Zeit kosten als hätte man es ausgeruht gleich richtig gemacht.

Know-How-Verlust

Wenn über einen längeren Zeitraum Überstunden zu leisten sind, dann ist es oft so, dass sich bei den Mitarbeitern eine gewisse Unzufriedenheit einstellt. Das kann unterschiedliche Gründe haben wie zum Beispiel

  • Unzufriedenheit mit der wenigen Freizeit und weil das Privatleben darunter leidet oder
  • Unzufriedenheit durch die weiter oben genannten Schwierigkeiten, gute Qualität abzuliefern oder
  • Unzufriedenheit mit der Planung, die dazu geführt hat, dass die Überstunden überhaupt notwendig wurden.

Das Problem für den Arbeitgeber entsteht nun dadurch, dass unzufriedene Mitarbeiter sich auch gerne mal nach einem anderen Job umschauen. Besonders für die richtig guten Mitarbeiter ist es oft auch kein Problem einen anderen Job zu finden. Und mit jedem Mitarbeiter, der das Unternehmen verlässt, geht gleichzeitig auch ein gewisses Maß an Know-How für das Unternehmen verloren.

Ich verstehe natürlich, dass es notwendig sein kann mal über den Zeitraum von ein paar  Wochen länger zu arbeiten, weil irgendwelche unvorhergesehene Dinge passiert sind oder eine Deadline droht. Wenn allerdings über einen längeren Zeitraum kontinuierlich immer wieder Überstunden geleistet werden müssen, dann macht die Firma was falsch.

Wer gerne noch mehr wissen möchte: