URLs verkürzt

von Benedikt

Mit Twitter sind derzeit ja die URL-Verkürzungsservices wie Bit.ly, TinyURL oder Is.gd schwer in Mode gekommen. Diese Services machen aus einer eher längeren URL wie z.B. dieser hier mit 70 Zeichen (und das ist noch ein harmloses Beispiel – ein Produktlink bei Amazon hat gerne mal mehr als 200 Zeichen):

http://www.zustandsforschung.de/index.php/tail-programme-fuer-windows/

eine kurze URL mit nur noch 25 Zeichen:

http://tinyurl.com/lwarvl

Ruft man die TinyURL-URL auf, wird ein Redirect auf die lange URL ausgeführt.

Das hat den großen Vorteil, dass man kurze URLs bekommt; Probleme mit Zeilenumbrüchen z.B. in Mails können so vermieden werden und es passt bei Twitter auch mit Text zusammen noch in die 140 Zeichen rein.

Allerdings hat die URL-Verkürzerei auch so ihre Nachteile – und die sind zum Teil wirklich gravierend:

  • Man weiß nicht, wo eine solche URL hinführt. Da man nur noch die verkürzte URL zu sehen bekommt, hat man keine Möglichkeit im Voraus zu sehen, wohin einen diese URL schicken wird. Im Beispiel oben kann ich anhand der ungekürzten URL sehen, dass ich auf eine Seite von diesem Blog hier komme, wo es wahrscheinlich um Tail-Programme für Windows geht. Bei der verkürzten URL hat man keine Ahnung – die kann sonstwohin gehen, wo ich vielleicht nie hinsurfen wollte.
  • Die URLs funktionieren nur so lange, wie der Anbieter auch seinen Service anbietet. Das mag offensichtlich klingen, hat aber weitreichende langfristige Auswirkungen. Angenommen TinyURL oder irgendein anderer populärer Linkverkürzer stellt seine Website ein oder – auch nicht ganz unwahrscheinlich – hat einen Datencrash. Das Resultat sind dann direkt massenhaft verkürzter URLs, die nun völlig wertlos geworden sind. Is.gd schreibt beispielsweise etwas von mehr als 17 Millionen gekürzter URLs, die dann verloren wären.
  • Auch nicht ausgeschlossen ist das Risiko einer absichtlichen Attacke auf solche Services, so wie es vor kurzem dem Service Cligs passiert ist (Popular short URL service hacked and millions redirected). Hier waren die Hacker allerdings gnädig und haben nur auf irgendeinen Blog-Artikel umgeleitet – sie hätten auch alle auf eine Seite, die Schadsoftware installiert umleiten können.
  • Hier sind noch zwei Artikel, die sich auch eher kritisch mit dem Thema auseinandersetzen: Url Shorteners: Destroying the Web Since 2002 und Why URL Shortening is a Threat to the Web

Das Fazit ist also, dass URL-Verkürzungsservices schon ihre Existenz-Berechtigung haben – gerade bei Services wie Twitter, wo ja eigentlich spätestens nach ein paar Tagen sowieso keiner mehr die Tweets liest und die URLs verwenden will. Für die meisten anderen Bereiche, in denen längerfristige zuverlässige Verlinkung erwünscht ist, rate ich aber dazu, aufgrund der oben genannten Nachteile die echten URLs der Seiten, die man verlinken möchte zu verwenden.

Weitere Links zum Thema:

Top 5 URL Shorteners and How They Help You
URL Toolbox: 90+ URL Shortening Services
5 Very Weird URL Shorteners